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Impuls zum 8. November 2026

32. Sonntag im Jahreskreis (A)

Von Susanne Warmuth (Aschaffenburg) – Geistliche Beirätin im DV Würzburg

Für eine Notlage vorbereitet sein
Immer mal wieder (meist nach einem großflächigen Stromausfall) erscheint in unserer Tageszeitung ein Beitrag zum Thema „Gut gerüstet für den Notfall“. Da gibt es Tipps, welche Vorräte und Geräte man sich anlegen sollte, um einige Zeit ohne Einkaufsmöglichkeit, ohne Elektrizität und technische Infrastruktur zu überleben. Es geht zuerst um Lebensmittel: Genug Trinkwasser für einige Tage sollte man haben, haltbare Vorräte und Konservendosen. Aber natürlich auch Kerzen und Streichhölzer, Decken, Medikamente und, wenn möglich, ein Kurbelradio. Meine Reaktion auf solche Artikel ist sehr unterschiedlich – je nach meiner inneren Gestimmtheit. Manchmal breitet sich eine große innere Unruhe in mir aus und hektisch überlege ich, was ich in der nächsten Zeit anschaffen sollte. Oft versuche ich aber auch, die Gedanken an einen gravierenden Notfall wegzuschieben. Ist es wirklich notwendig, so viele Vorräte anzulegen? Und ich ertappe mich bei dem Gedanken: Sicher gibt es dann Nachbarn und Freunde, die aushelfen könnten. Was aber, wenn alle so denken würden und sich auf die gute Vorbereitung der anderen verlassen? – Ich bin froh, wenn es mir gelingt, in diesem Dilemma einen Mittelweg zu finden. Mich nicht von einer inneren Panik leiten zu lassen, sondern mit Besonnenheit und Klugheit zu überlegen, was in der jetzigen Situation not-wendig ist.
Diese Gedanken sind mir beim heutigen Evangelium wieder durch den Kopf gegangen, auch wenn ich weiß, dass es hier nicht um Vorräte und Lebensmittel geht, sondern um eine innere Vorbereitung.  

Lesung, Weish 6, 12 – 16
Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; 
wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie.
Denen, die nach ihr verlangen, kommt sie zuvor und gibt sich zu erkennen.
Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, 
er findet sie vor seiner Türe sitzen.
Über sie nachzusinnen, ist vollkommene Klugheit;
wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei.
Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind;
freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen
und kommt ihnen entgegen bei jedem Gedanken.

Evangelium Mt, 25, 1 – 13
Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus! Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft es euch! Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Fragen, die sich zunächst aufdrängen
Warum verhalten sich die klugen Jungfrauen so egoistisch? Wäre nicht ein bisschen Kollegialität hilfreich gewesen? Warum werden die törichten Jungfrauen so heftig kritisiert? Können sie etwas dafür, dass der Bräutigam zu spät kommt? Und warum lässt dieser die Zuspät-Gekommenen nicht doch noch eintreten? – Wenn man an der Oberfläche der Geschichte bleibt und sie wörtlich versteht, sind diese Fragen alle verständlich. Aber sie helfen nicht wirklich weiter. Denn es geht im Evangelium nicht um eine gute äußere Vorbereitung, sondern um die Haltung, das Ausgerichtetsein. Und um die Bereitschaft zur Entscheidung.

Wachsamkeit und Entscheidung
Die wichtigsten Verse stehen ganz am Ende des heutigen Evangeliums.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Die Wachsamkeit ist es, die dem Evangelisten Matthäus hier und in anderen „benachbarten“ Gleichnissen wichtig ist. Wachsamkeit ist gefordert, damit wir das, was zählt, nicht verpassen. Und in dieser Wachsamkeit das Leben so zu führen, dass es dem Willen Jesu entspricht. Wenn der Mensch in diesem Sinn handelt, dann ist er gut vorbereitet auf das verheißene Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

Wie aber können Wachsamkeit und Bereitschaft heute praktisch aussehen?
Sicher gibt es unterschiedliche Meinungen dazu. Folgendes ist für mich wichtig:
  • mit offenen Augen durchs Leben gehen
  • mit Interesse die gesellschaftlichen Veränderungen wahrnehmen
  • sich mit Gleichgesinnten für politische Veränderungen einsetzen
  • mit Weisheit und Klugheit statt mit Zorn zu reagieren
  • sich fragen: welches Handeln wäre wohl im Sinne Jesu? 
  • auf das Gewissen hören
  • erkennen: Jetzt ist die Stunde! Jetzt und hier bin ich gefragt! Niemand sonst!

Worauf es ankommt
Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
Heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn Er kommt.
Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du bereist, was hast Du Dir leisten können?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du gewagt, wen hast Du befreit um meinetwillen?
Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
Heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn Er kommt.
Alois Albrecht

P.S. Mahnung aus der jüngeren deutschen Geschichte
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Sprichwort, das so oder ähnlich in vielen Kulturen existiert
Michail Gorbatschow zugeschrieben, 1989